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„Alle haben mitgezogen“

Das neue Haus steht, aber es gibt immer noch genug zu tun für die Eltern der Kita an der PH e.V. Die Vorstände Moritz Walheim und Anna Klose berichten im Interview über die spannende Bauphase und die künftigen Aufgaben:

Hättet ihr euch vorgestellt, dass euer erstes Vorstandsjahr so verläuft?
Anna: Als wir die Vorstandsposten übernommen haben, war offensichtlich, dass was passieren würde. Ich habe damit gerechnet, dass es aufwändig wird.
Moritz: Ich habe mit viel Arbeit gerechnet, gerade wegen des Neubaus. Das war von Anfang an unser Hauptbetätigungsfeld.

Als ihr eure Ämter antratet, stand fest, dass neu gebaut werden muss, weil die Kita verschimmelt ist…
Anna: Ja. Neubau oder eine andere Lösung. Es war klar, dass wir was machen mussten.

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Und wie war es im Nachhinein, mit dieser Elternschaft eine Kita zu bauen?
Moritz: Alles super, wenn es erst mal steht. Ganz ehrlich: Wenn ich vorher gewusst hätte, wie groß die Belastung ist, hätte ich nicht gesagt: Ja, das mache ich, und das ziehen wir durch. Im Nachhinein denke ich: Besser, dass ich es nicht so genau gewusst habe.

Wann habt ihr gemerkt, dass es anstrengend wird?
Anna: Am Anfang war es die Auseinandersetzung mit den Behörden, die viel Zeit und Energie gekostet hat und auch ziemlich frustrierend war. Wir sind da mit einer gewissen Blauäugigkeit rangegangen: Wir machen das jetzt so, wie die das haben wollen, und dann wird dann schon klappen. Das war dann leider nicht so. Immer wenn man das Gefühl hatte, das haben wir jetzt angepackt, dann kam was Neues, was dann auch noch gebraucht wurde und dann wieder etwas, was noch gebraucht wurde. Die Anfangsphase war frustrierend, weil man nicht vorankam. Und die Endphase war stressig, weil man total viel gemacht hat. Jeden Abend war jemand auf dem Bau. Das war familientechnisch recht unentspannt.
Moritz: Ich habe den Anfang auch als Hürdenlauf erlebt. Man springt über eine drüber, und dann steht direkt schon die nächste da.

Hätte man das verhindern können oder ist das Lernen im Prozess? Kann man da anderen Elterninitiativen etwas raten?
Moritz: Bei uns war es ein Sonderfall, dass wir auf einem Gelände sind, auf dem wir eigentlich nicht bauen dürfen, weil es als nicht bebaubare Fläche ausgewiesen ist. Es hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, das durchzukriegen. Ansonsten kann man sich vorher nicht so schlau machen, dass man alles vorhersehen kann. Ich hätte von den Ämtern erwartet, das Gesamtpaket gezeigt zu bekommen, aber wir haben immer nur stückchenweise die nächsten Aufgaben gestellt bekommen. Wir wussten am Anfang nicht, was alles zu erledigen ist, bis die Kita steht, sondern das hat sich immer erst nach und nach ergeben.
Anna: Wir sind alle keine Profis, und durch unsere finanziellen Grenzen haben wir versucht, alles Mögliche selber zu machen. Wenn man mehr Geld zur Verfügung hat, kann man sicherlich einen Bauleiter einstellen oder einen Architekten, der sich kümmert und einem so was abnimmt, der mehr Erfahrung hat und weiß, was auf ihn zukommt. Das ging bei uns aber aus finanziellen Aspekten einfach nicht.

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Ihr seid beide berufstätig. Es ist ja nicht so, dass ihr für die Kita alles habt stehen und liegen lassen, sondern ihr habt immer mal wieder zwischendurch telefoniert oder korrespondiert mit den Ämtern.
Moritz, deine Familie hat das Kernteam der Bautruppe über Wochen lang zu Hause gehabt und bewirtet. Wie war das?

Moritz: Am Anfang war das ganz lustig, jeden Abend vier Männer zu Hause sitzen zu haben, gemeinsam Pizza zu essen, Bier zu trinken oder auch polnischen Schnaps. Das war richtig schön und wir dachten dann auch, dass diese intensive Phase relativ schnell herum geht. Es war dann aber schon irgendwann für uns als Familie eine Belastung, dass wir zu fünft in einem Zimmer geschlafen haben, um die anderen Zimmer den Bauarbeitern zur Verfügung zu stellen.

Dass es überhaupt zu dieser Lösung kam, lag auch an den Kosteneinsparungen.
Moritz: Genau.

Also ihr hättet auch sagen können: Wir mieten jetzt eine Pension für vier Monate, und da könnt ihr übernachten…
Moritz: Da wären die Kosten natürlich ordentlich in die Höhe geschossen, und so war’s für den Bau wirklich das Praktischste. Die Bauarbeiter waren nah an der Kita dran und konnten morgens um sieben direkt los auf den Bau und kamen dann abends zurück und hatten halt drumherum keinen Aufwand. Und es hat enorm Kosten gespart.

Und es war wirklich so, dass sie abends kurz gegessen haben und ins Bett gefallen sind, so wie wir das in der Endphase mitgekriegt haben, nach diesen Zehn-Stunden-Tagen…
Moritz: Der Standard waren eigentlich Zwölf-Stunden-Tage, von morgens sieben bis abends sieben, und in der Endphase ging’s dann auch mal abends bis zehn oder elf Uhr.

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Hättet ihr erwartet, dass die Eltern so mitziehen?

Anna: Das war die mit Abstand positivste Erfahrung an diesem ganzen Kita-Bau, dass einfach alle total gut mitgezogen haben. Es war keiner dabei, der sich rausgehalten hat und nichts gemacht hat. Es haben alle Eltern mitgemacht und reingehauen, das fand ich total super. Für den Zusammenhalt war das eine sehr gute Sache.

Anfangs lautete die Vorgabe: Wenn jeder acht Stunden macht, dann müsste das klappen. Das war nachher viel mehr, und die Erzieher haben ja auch noch kräftig mit angepackt sowie ehemalige Kitaner…
Moritz: Das war unsere naive Vorstellung zu Beginn. Es war dann halt deutlich mehr. Aber auch das hat ganz stark die Kosten gesenkt, weil weniger von der Baufirma berechnet wurde.
Ich fand das richtig schön, wie alle mitmachen. Auch bei der Weihnachtsfeier hat man gemerkt, dass uns das alle noch mehr zusammengebracht hat. Das war ein schöner Moment, in dem man gemerkt hat: Wir machen das alle, um die Kita zu erhalten und um diese Idee weiterleben zu lassen.

Ein Jahr vorher hätte ich mir das nicht vorstellen können. Da wurde ja immer nur diskutiert und diskutiert und diskutiert. Doch dann kam irgendwann der Auslöser. Und es kamen Leute, die es angeschoben haben. So wie euch.

Wie soll das Ganze finanziert werden? Der Bau ist zwar fast fertig, aber die Kita nicht schuldenfrei. Ganz im Gegenteil…
Moritz: Wir mussten natürlich einen Kredit aufnehmen. Den müssen wir die nächsten zehn Jahre abbezahlen. Das wird sich auf die Beiträge der Eltern auswirken. Außerdem haben wir die Rücklagen des Vereins aufgebraucht, so dass wir neue bilden müssen, was sich genauso auf den Beitrag auswirkt. Auch das wird noch Jahre dauern.

Der Beitrag lag mal bei 88 Euro pro Kind und Monat, ist dann zwischenzeitlich auf 115 Euro angehoben worden und liegt jetzt bei 110 Euro – zusätzlich zum normalen Kindergartenbeitrag an die Stadt.
Kann man den Schuldenberg anders als nur über höhere Beiträge abtragen?

Anna: Unsere wunderbare Fundraising-AG hat sich schwer ins Zeug gelegt. Sie hat die Spende von der Glücksspirale aufgetan, die uns 15.000 Euro für den Bau eingebracht hat. Zudem haben wir viele private Spenden bekommen, insgesamt rund 2.500 Euro. Und wir haben eine großzügige Möbelspende erhalten. Wir hoffen, in der Richtung weitermachen zu können.
Moritz: Weil es eben auch noch einiges zu tun gibt. Die Kita ist noch nicht fertig, gerade draußen wartet Arbeit. Das muss auch bezahlt werden.

Also ist jetzt nicht die Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Es geht weiter…
Anna: Wir können jeden Cent gebrauchen.

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Ich erinnere mich an den Tag der Bauabnahme, als draußen die Kinder und Eltern standen und warteten. Als klar war, wir können rein, war das ein sehr emotionaler Moment. Da hat man gespürt, wie der Druck der Wochen davor abgefallen ist. Wie habt ihr das erlebt?
Anna: Ich war im Büro und habe eine SMS von Moritz gekriegt, und dann habe ich ein Tänzchen um meinen Schreibtisch gemacht.
Moritz: Ich fand’s so schön, die Kinder zu sehen, wie sie hier reinstürzen. Das war ein ganz besonderer Moment, wie sie das für sich in Beschlag nehmen, sich angucken und wirklich glücklich sind. Eine ganze neue Welt, die sie da erkunden konnten.

Was muss am Haus jetzt noch gemacht werden?
Moritz: Es gibt innen noch ein paar Kleinigkeiten: An den Decken muss noch ein bisschen abgedichtet werden. Wir haben eine Liste…
Anna: Der Außenbereich ist ein großes Projekt. Wir wollen etwa eine vernünftige Terrasse schaffen.

Wir finden es einfach wahnsinnig, was da passiert ist und wie diese Elternschaft zusammen gearbeitet hat. Wie war das für euch?
Anna: Das war die tollste Erfahrung: Wenn so viele Leute auf dasselbe Ziel hinwollen, dann klappt das auch. Jedes Mal, wenn ich die Kinder abhole, lache ich. Ich muss lachen, weil ich mich freue, dieses Gebäude zu sehen. Ich habe den Eindruck, viele Kita-Eltern jetzt auch noch mal besser zu kennen und vielleicht auch mal privat was miteinander zu machen – auch ohne Kita.
Moritz: Auf jeden Fall hat uns das richtig zusammen geschweißt. Die Stimmung war vorher schon gut. Aber dass wir durch die Bank bereit sind, abends bis nachts um eins in der Kita zu arbeiten – an einem normalen Wochentag – das ist etwas Besonderes.
Anna: Ich bin gespannt, wie sich die neuen Eltern da hineinfinden werden…
Moritz: Wir müssen einfach nur genügend übrig lassen für die Neuen…